Veranstaltungsreihe

Zur Aktualität von Verschwörungsideologien, Antisemitismus und Rassismus im Zuge der COVID-19-Pandemie

16.07. – Anti-asiatischer Rassismus während der Corona-Pandemie
Vortrag und Diskussion mit Yvonne Tang

Erst durch die Corona-Pandemie ist anti-asiatischer Rassismus für die weiße Dominanzgesellschaft etwas sichtbarer geworden. Doch neu ist das nicht. In diesem Vortrag werden wir uns mit anti-asiatischem Rassismus beschäftigen. Dabei wird thematisiert, inwiefern COVID-19 damit in Verbindung steht und welche Auswirkungen dies auf asiatisch gelesene Deutsche hat. Aber auch, was bei einem rassistischen Angriff getan werden kann.

Yvonne Tang (sie/ihr) ist Chinesische Deutsche und hat ihren M.A. in Transcultural Studies an der Universität Heidelberg gemacht. In ihrer Freizeit engagiert sie sich ehrenamtlich, indem sie Pat*innenbriefe von Plan International und Artikel für Cap Anamur übersetzt, und ist auch bei der (post)migrantischen Selbstorganisation korientation aktiv. Freiberuflich überprüft sie Medieninhalte, um diese diskriminierungssensibel und intersektional zu gestalten.

09.09. – Fehlender Mindestabstand. Die Corona-Krise und die extreme Rechte
Vortrag und Buchvorstellung mit Heike Kleffner

In den zahlreichen Protesten von Corona-Leugner_innen wurde in den vergangenen anderthalb Jahren deutlich, wie tief inzwischen die Skepsis gegenüber parlamentarischer Demokratie und wissenschaftlichen Erkenntnissen in ganz unterschiedlichen Teilen der Bevölkerung verankert ist: Impfgegner_innen, Klimawandelleugner_innen, Verschwörungstheoretiker_innen, Reichsbürger_innen und Neonazis marschieren nebeneinander – ohne Abstand. Der Vortrag von Heike Kleffner analysiert das Phänomen einer breiten Allianz von neuen und alten Feinden einer aufgeklärten Gesellschaft.

Heike Kleffner ist freie Journalistin und Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Beratungsstellen für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Seit den 1990er Jahren schreibt sie Publikationen über Rechtsextremismus. Zusammen mit Matthias Meisner ist sie u.a. Herausgeberin des 2021 erschienenen Sammelbandes „Fehlender Mindestabstand. Die Corona-Krise und die Netzwerke der Demokratiefeinde“, sowie des 2019 erschienenen Bandes „Extreme Sicherheit. Rechtsradikale in Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr und Justiz“.

 

23.09. – Verqueres Denken. Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus
Vortrag und Buchvorstellung mit Andreas Speit

Sie gehen für »die Freiheit« auf die Straße: Bei den Querdenken-Demonstrationen und Corona-Protesten laufen Impfgegner_innen neben QAnon-Anhänger_innen, Esoteriker_innen neben Rechtsextremen, die Peace-Fahne flattert neben der Reichsflagge. Dieses Miteinander kommt jedoch nicht zufällig zustande. Wer sich für den Schutz von Natur und Tieren einsetzt,
vegane Ernährung und Alternativmedizin bevorzugt, seine Kinder auf Waldorfschulen schickt oder nach spiritueller Erfüllung sucht, muss nicht frei von rechtem Gedankengut und Verschwörungsfantasien sein. Andreas Speit zeigt deutlich, dass in alternativen Milieus Werte und Vorstellungen kursieren, die alles andere als progressiv oder emanzipatorisch sind.

Andreas Speit ist freier Journalist und Publizist und schreibt regelmäßig u.a. für die taz, die jungle world und Blick nach rechts zum Themenspektrum Rechtsextremismus. Zuletzt hat er 2019 das Buch „Entkultivierung des Bürgertums“ sowie zusammen mit Andrea Röpke „Völkische Landnahme. Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos“ publiziert.

 

21.10. -“Jeder kennt ein der von Verschwörung schwadroniert und er weiß wer die Medien und Börsen kontrolliert“
Vortrag und Diskussion mit Maximilian Kraft

Krisen bedeuten besonders in antisemitisch geprägten Gesellschaften Hochkunjunktur für Verschwörungserzählungen. Aus anfänglich hippiesk anmutenden Kundgebungen für “Freiheit und Grundrechte”, entwickelte sich in der pandemischen Krise eine sich bundesweit rasant vernetztende Ansammlung von Reichsbürger*innen, AfD-Akteur*innen, “QAnons”,” Identitären” und militanten Neonazis. Deren jüd*innenfeindliche, rassistische und völkische Agenda, mit friedensbewegten Antisemit*innen unter Regenbogen- und Reichsfahnen verschmolz.

Zusammen mit Bürger*innen der sogenannten “Mitte”, gelang es ihnen auf Großveranstaltungen von “Querdenken” und Co., unter monatelangem Wegsehen von Behörden und Regierungen, alte und neue antisemitische Verschwörungsmythen massiv zu normalisieren. Strömungen dieser Szene verlagern sich mitunter in klandestine Chatgruppen, wo sie unbeobachtet von Behörden mitunter terroristische Ziele forcieren. Die virulente Radikalsierung der letzten Monate birgt inzwischen eine gefährliche Bedrohungslage, besonders für jüdisches Leben.

In diesem Vortrag schauen wir auf die Entwicklung dieses Phänomens im Bundesland Bremen.

Maximilian Kraft ist Referent im Recherchenetzwerk AfD Watch Bremen.

5.11. – Konspirationismus und Alltag
online-Vortrag mit Tom Uhlig

Die Corona-Pandemie hat verschwörungsideologische Potenziale mobilisiert, die bereits zuvor in der Bevölkerung latent vorhanden waren und die vermutlich auch nach der Pandemie nicht verschwinden werden. Krisensituationen bringen nach Außen, was bisher am Stammtisch, im vertrauten Kreis der Freunde und Familien oder den finsteren Ecken des Internets geraunt wurde: der Glaube an eine unheimliche Macht, die im Verborgenen die Geschicke der Welt lenkt. Warum diese Ideologie strukturell bis offen antisemitisch ist und warum sie so schwer zu bekämpfen ist, soll indem Vortrag diskutiert werden.

Tom Uhlig ist Bildungsreferent der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt und schreibt u.a. für jungle world, konkret und andere Zeitschriften. Er ist Mitherausgeber von "Freie Assoziation. Zeitschrift für psychoanalytische Sozialpsychologie" sowie des 2018 erschienenen Sammelbandes „Extrem unbrauchbar. Über Gleichsetzungen von links und rechts“.

Die Veranstaltungen finden im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Nach Corona ist vor Corona?!" - Zur Aktualität von Verschwörungsideologien, Antisemitismus und Rassismus im Zuge der COVID-19-Pandemie" der Naturfreundejugend Bremen statt und werden finanziell ermöglicht durch das Landesdemokratiezentrum Bremen.

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